
Geschichte hinter der Buchauswahl
Dieses Buch hat mich im Theologiestudium gefunden. Es war aber kein Wühltischkauf. Ich habe es bewusst auf eine Empfehlung hin bestellt. Denn klar ist, dass ich „trockenes“ Bibellernen mit theologischen Texten nicht hinkriege. Ich kann mir auch Geschichten aus der Bibel ganz schwer merken, da ich mir die Orte und Dinge in der Zeit schlecht vorstellen kann, zumal ich in Erdkunde schon immer eine Katastrophe war. Dieses Buch klang daher sehr verlockend, um die Bibel „anfassbar“ zu machen — mit Bildern und Stichworten eine wirkliche Vorstellung der Zeit und allen historischen Umständen zu entwickeln.
Wie das Leben so ist, habe ich es in der letzten Woche nicht hingekriegt, mir das ganze Buch wirklich mit Genuss rein zu ziehen. Und vor allen Dingen ist die Lebenswelt der Region heute von etwas geprägt, das damals leider auch normal war: Krieg, Vertreibung, Verlust. Man kann heute an nichts anderes denken, wenn man dem Wort „Palästina“ begegnet. Es ist politisch, ohne dass es einen sonderlich politischen Menschen braucht, um diese gedankliche Verbindung her zu stellen. Man kommt einfach nicht um das Wort „Krieg“ herum heutzutage.
Das ist mehr als schade.
Es ist zum Verzweifeln.
Orte werden für immer mit Gewalt besetzt
Und es gibt keinen Ausweg,
kaum Hoffnung auf Frieden.
Ich werde diesen Post daher so kurz und pragmatisch halten, wie es einem Handbuch zu eigen ist. Da ist wenig Überflüssiges und Emotionales. Es geht um Sachlichkeit und eine Auflistung von Fakten auf begrenztem Platz und gemäß der jeweils zugeschriebenen Relevanz. In dieser Hinsicht erfüllt das Buch voll und ganz seinen Zweck: Ja, es gibt mir einen guten Überblick zur Lebenswelt der Bibel. Und, ja, die vielen Bilder machen es auch einem Menschen wie mir leicht, die Umwelt der Bibel im Kontext der heutigen Geographie und kultureller Kontexte zu verstehen.
- Regenbogen

Ich muss gestehen, dass ich die Bibel nicht unbedingt mit Regenbogen in Verbindung gebracht habe. Trotzdem hat der Regenbogen sehr viel mit Glaube für mich zu tun. Wann immer ich einen sehe, bekomme ich feuchte Augen. Das liegt nicht am Regen. Das liegt daran, dass so ein Regenbogen, egal, wie fachlich versiert man sich die Physik dahinter erklären kann, ein kleines Wunder ist. Er ist so schön, so farbenfroh und so flüchtig. Er steht für das Leben, aber er steht auch für den Weg — aus dem Leben in den Himmel. Man weiß, er hat irgendwo einen Anfang und ein Ende. Aber beide erkennt man nicht zweifelsfrei.
Ich habe dieses Jahr leider schon öfter den Satz lesen müssen: „XY ist über die Regenbogenbrücke gegangen.“ Ich finde diesen Ausdruck wunderschön, auch wenn er unendlich traurig macht. Ich hoffe sehr, dass ich ihn nicht mehr oft in diesem Jahr lesen werde. Trotzdem gehört es zum Leben, diesen letzten Weg über den Regenbogen zu machen. Und ich glaube auch, dass unsere Seele frei darüber schwebt und sich das bunte Treiben anschaut. Seelen verlassen diese Erde nicht. Und genauso wenig wird die Schönheit des Regenbogens für immer verschwinden. Irgendwo ist immer einer — man muss nur genau hinschauen, um ihn zu sehen.
2. Wüste

Ich liebe die Wüste. Sie ist für mich seit jeher der Ort, an dem ich zur Ruhe komme. Das war schon so lange bevor ich wusste, dass die Wüste in der Bibel besondere Bedeutung hat. Später habe ich auch gelernt, dass die Wüste Menschen Angst macht — da sie für Dürre, Kargheit und sogar den Tod steht. Für mich behält sie das Mystische, dieses Wundersame, diese Weite unter dem unendlichen Sternenhimmel. Und auch wenn ich oft nicht einfach die Koffer packen kann, um in sie zu fliehen, so ist sie in meinem Herzen immer da. Die Vorstellung und die Eindrücke aller Wüsten, die ich jemals sehen durfte, habe ich in mir aufgesogen und trage sie mit mir. Diese inneren Bilder lassen mich frei atmen. Sie geben mir Kraft und Ruhe zugleich. Und sie lassen mir die Bibel näher erscheinen, da mir diese Umwelt auf wundersame Weise vertraut ist.
3. Freiheit

Freiheit ist einer der wichtigsten Begriffe in meinem Leben. Darüber gibt es wahrscheinlich nur den Begriff der Liebe. Ich kann für mich sagen, dass der Glaube mich tatsächlich befreit hat — er hat mir den Weg gezeigt, sämtliche Ketten zu sprengen. Witzigerweise ist mit dem Begriff des Glaubens auch die Kirche verbunden. Und die wiederum bedeutet für mich an vielen Stellen das Gegenteil: Unfreiheit, Zwänge, menschgemachte Rituale und Interpretationen, die meine persönliche Freiheit, jedenfalls gefühlt, einschränken. Es bleibt also die innere Auseinandersetzung mit der Balance zwischen Freiheit und Unfreiheit. Diese bleibt ein Lebensthema. Froh bin ich jedoch darüber, dass dieser Begriff in diesem Buch vorkommt.
Freiheit kann man nicht eindeutig definieren und anfassen. Man kann sie nicht vermessen und wiegen. Sie ist ein Gefühl, ein Zustand, der von so vielen Menschen ersehnt wird, jedoch nur von wenigen wirklich erreicht. Und leider führt uns der Begriff auch wieder zu den Anfängen dieses Beitrags. Solange Menschen das Gefühl haben, sie werden von anderen in Unfreiheit gehalten. Und andere wiederum haben das Gefühl, ihrer Freiheit ist von andern bedroht — so lange wird es weiter Kriege geben. Ob der Glaube, ob Religion, dabei eher Hilfe oder Hinderungsgrund zur Befreiung ist, vermag nur jeder einzeln für sich zu beantworten. Und dabei spielt auch eine Rolle, was ein jeder in der Bibel sieht: Eine Sammlung von Dogmen und Antworten, oder eine Inspiration für täglich neue Fragen.
Reflexionfragen
1) Was verbindest Du mit einem Regenbogen?
2) Hat die Wüste für Dich eher etwas Schönes oder Bedrohliches? Warum?
3) Verwundert es Dich, in einem Bibelsachbuch den Begriff der Freiheit zu begegnen? Was verstehst Du persönlich unter Freiheit?
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