Corona Digitalisierung Und Das Seelenheil Auf Reisen


Corona, Digitalisierung und das Seelenheil auf Reisen

Einblicke in die Arbeits- und Lebenswelt der Flughafenseelsorge Frankfurt am Main

Flughafenkapelle in nachweihnachtlicher Atmosphäre

Die steile Rolltreppe, die vom S-Bahnhof des Flughafens hoch zur Abflughalle B führt, ist menschenleer. Nur eine Passagierin fährt auf der gegenüberliegenden Seite abwärts und tippt auf ihrem Handy. Es ist früher Vormittag mitten in der ersten Jahreswoche 2022. Eigentlich würde hier Hochbetrieb herrschen — Familien, die aus dem Winterurlaub zurückkehren und umtriebige Geschäftsleute, die mit ihren kleinen Trolleys zur Maschine hasten. Doch seit Corona ist alles anders. Nur „normal“ ist es eben noch immer nicht. Davon erzählt ein Besuch bei Pfarrerin Bettina Klünemann und ihrem Team in der Flughafenseelsorge. Hier treffen „Leben“ und „Welt“ in einer Vielfalt aufeinander, die an Geschwindigkeit und Tragweite kaum zu überbieten ist. Hier kann Glaube zeigen, was in ihm steckt — mit Wort und Tat im Dienst am Reisenden und den Menschen, die das Reisen erst möglich machen.

Pastorale Arbeitswelt in Zeiten von Corona

In der Abflughalle klappern die Ziffernblöcke an der großen Anzeigetafel. Die grünen Lämpchen zeigen an, welche Flüge bereits aufgerufen wurde. Mumbai, New York, Bremen und Zürich — Es gibt kaum ein Fleckchen Erde auf der Welt, das man nicht von diesem Flughafen aus erreichen kann. Um die 80.000 Mitarbeiter sind am größten Flughafen Deutschlands beschäftigt. Vor Corona flogen hier 70 Millionen Passagiere pro Jahr. 2020 waren es gerade einmal 20 Millionen. Doch die Pandemie hat nicht nur bewirkt, dass weniger Menschen in die Flugzeuge steigen. Sie hat auch gezeigt, dass es andere Sorgen und Nöte gibt, die Passagiere und Flughafenmitarbeiter bewegen. „Die Pandemie hat alles auf den Kopf gestellt“, sagt Bettina Klünemann, als sie in ihrem Büro auf der Empore des Terminal 1 auf die vergangenen zwei Jahre zurückblickt. „Es fühlt sich an wie zwei unterschiedliche Abschnitte meiner Arbeit: eine Zeit vor der Pandemie und danach.“

Digitaler Wandel am Gate

Klünemann ist seit 2018 am Flughafen. Davor war sie viele Jahre Pfarrerin in Mainz, davor in einer Dorfkirche in Westhofen, einer Gemeinde in Rheinhessen. Dies war ihre zweite Stelle nach ihrer Rückkehr aus den Vereinigten Staaten, wo sie direkt nach dem Vikariat ein Jahr in einem Krankenhaus und drei Jahre in einer Gemeinde in Vermont gearbeitet hatte. Wie kommt man dann darauf, ausgerechnet am Flughafen zu arbeiten? „Mich hat die Stelle einfach gereizt. Sie war ausgeschrieben und ich habe mich einfach beworben.“ Doch so einfach das klingen mag, so komplex scheint die Herausforderung. Wenn Klünemann ihren Alltag am Flughafen beschreibt, könnte man direkt ein Buch für eine Ausbildung im Krisenmanagement füllen. „Hier gibt es nichts, was es nicht gibt. Gerade die letzten Tage hatten wir einen Fall, da kam ein älterer Herr aus Pakistan über 80 nicht auf den Flug, weil er kein Smartphone hatte, um die ganzen Formulare für die Einreise auszufüllen, die mit den Corona-Maßnahmen einhergehen“, erzählt sie.

„In solchen Fällen laufen wir dann auch schon einmal mit dem eigenen Tablet oder Handy zum Gate und helfen bei der Registrierung.“

Hilfe ist etwas, das hier am Flughafen noch viel weniger warten kann als anderswo. Denn Flugzeuge warten bekanntlich nicht oder nur sehr selten auf ihre Passagiere. Wenn dann etwas schief geht, man das Gate nicht findet oder eben Corona alles durcheinander bringt, liegen die Nerven schon mal schneller blank. „Viele sind völlig aufgelöst wenn man ihnen sagt, dass sie z.B. erst mal 250 EUR für einen PCR-Test im Transitbereich zahlen müssen, um weiter zu kommen. Nicht jeder hat dieses Geld. Aber natürlich hat Corona es auch schwieriger gemacht, überhaupt dahin zu kommen, wo liebe Menschen auf einen warten. Oder aber, den Menschen fällt das Dach über dem Kopf zusammen, weil sie alles nicht mehr aushalten oder der Trauer um Angehörige entfliehen wollen. Auch das trifft man hier am Flughafen unter den Reisenden.“ Dabei sei es oft erst der zweite Blick, der die eigentlichen Schicksale erkennbar machen würde, fährt Klünemann fort.

„Meist gilt es erst einmal ins Gespräch zu kommen und ein kleines offensichtliches Problem zu lösen, zum Beispiel einen Rollstuhl zu besorgen oder eine wichtige Information zu geben. Und dann, wenn die Menschen erste Erleichterung verspüren und Vertrauen fassen, dann öffnen sie sich und erzählen, was wirklich hinter ihrer Traurigkeit oder Wut steckt.“

Interreligiöser Dialog im Jumbo-Jet-Tempo

Wenn Klünemann von all diesen Erlebnissen berichtet, scheint es, als liefe die Welt hier im Zeitraffer ab. Alles scheint irgendwie gleichzeitig zu passieren und in einer Mischung von Menschen und Ereignissen, die es sonst kaum an einem anderen Ort zu erfahren gibt. Davon zeugt auch die kleine Kapelle am Ende des Flurs hier in der „Chaplaincy“, wie die englischen Schilder draußen andeuten. Hier gibt es einen Altar, ein Kreuz, einen Weihnachtsbaum und eine Gedenktafel. Draußen auf dem Flur sind Bilder zu sehen von Gottesdiensten und religiösen Zeremonien. Da entrollen Juden die Tora, genauso wie ein Hodscha beim muslimischen Gebet zu sehen ist. Alles trifft sich hier, steht nebeneinander wie die Bilder an der Wand, und doch fügt sich alles im gemeinsamen Gebet oder Gedenken auf wundersam friedliche Weise ineinander. „Es sind nicht nur Christen oder Gläubige überhaupt, die hier in die Kapelle kommen. Es gibt auch viele Mitarbeiter, die einfach nur einen Moment der Ruhe und Einkehr suchen. Und natürlich ist dies auch ein Ort, an dem beispielsweise verstorbener Mitarbeiter gedacht wird“, erzählt Klünemann und zeigt hinter sich auf eine hellgrüne Glastafel mit Namen.

Interreligiöse Praxis mit digitaler Unterstützung

Klünemann ist anzumerken, dass ihr dieser Ort wichtig ist. Ja, er mag nicht so groß und schön sein wie Kapellen oder Andachtsräume anderswo. Und ja, es mag nicht ideal sein, dass Flughafenentwicklungspläne und Umbauten dafür sorgen, dass Büros und Gebetsräume mehrere Male umziehen müssen. Aber irgendwie passt all dieses vermeintlich Unpassende zu dem, was Seelsorge am Flughafen ist und sogar sein muss: schnell, pragmatisch, und stets improvisierend in einem Mikrokosmos, in dem Menschen irgendwohin auf der Reise sind und vielleicht selbst nicht wissen, wo genau sie ankommen werden. „Wir haben hier auch Trauungen“, erzählt Klünemann strahlend und zeigt damit auch die helle Seite der Arbeit am Flughafen.

„Es gab sogar schon Zeremonien, da waren die Verwandten in Indien per Smartphone zugeschaltet. Und oftmals machen wir auch interreligiöse Veranstaltungen, bei denen beispielsweise mein muslimischer Kollege und ich uns die Arbeit teilen.“

Interreligiösität und der Dialog zwischen den Konfessionen scheint nirgendwo so selbstverständlich wie an diesem Ort. Neben der evangelischen Pfarrerin sitzt direkt zwei Bürös nebenan der katholische Kollege an seinem Schreibtisch. Er ist direkt an seinem grau-silbernen Collarhemd zu erkennen. Klünemann dagegen trägt „zivil“. Sie ist schlicht und „casual“ in schwarzer Hose, Shirt und Strickjacke gekleidet. Sobald sie das Büro verlässt und in den Terminals umherläuft, um ansprechbar zu sein für alle Sorgen und Nöte, legt sie eine neongelbe Sicherheitsweste an. Mit der hat sie sogar die Erlaubnis, aufs Rollfeld zu gehen, sollte dort Hilfe nötig sein. „Flughafenseelsorge“ steht in großen Buchstaben auf der Rückseite. „Die Weste ist unser Erkennungsmerkmal. So können die Menschen auf uns zukommen und wir auf sie, sobald uns etwas auffällt,“ erklärt Klünemann und zeigt auf das Namensschild, das an der Vorderseite mit Klettverschluss ihren Vor- und Nachnamen zeigt. Da steht nichts von Pfarrerin oder Kirche. Da steht auch nichts von katholisch oder evangelisch. All diese Titel und vermeintlichen „Denominationen“ stehen hier hinter dem Wesentlichen zurück, um das es geht: Dem Menschen in Not eine kleine erste Hilfestellung zu geben, damit es ihm besser geht. Und sei es „nur“ durch ein kurzes gemeinsames Gebet.

Dienst am Menschen mit Maschinen?

Dieser Aufgabe hat sich auch Thomas verschrieben, der heute als Ehrenamtlicher vorbeischaut. Er hat sich dem Team der Ehrenamtlichen vor einigen Monaten angeschlossen, um seine freie Zeit für den Dienst am Menschen im Flughafen zur Verfügung zu stellen. Wie die meisten hier am „Airport“, wie die Mitarbeiter zu sagen pflegen, hat auch er einen besonderen Bezug zum Fliegen und zu diesem Ort. Er ist langjähriges Mitglied des Vereins Luftbrücke Frankfurt-Berlin und offensichtlich den USA sehr verbunden. Begeistert erzählt er von seinen Reisen in die Vereinigten Staaten und viele weitere Länder, die er heute auch gerne mal in „Zickzackflügen“ bereise, wie er es nennt. „Gerade vor einigen Wochen hatte ich die Ehre, einem 104. Jährigen in Salt Lake City zu seinem Geburtstag zu gratulieren“, erzählt Thomas strahlend und zeigt ein Bild des offensichtlich sehr agilen Seniors an seinem Jubeltag. „Das hier ist eines unserer Mitglieder. Er war der erste Pilot, der damals die Süßigkeiten aus der Maschine warf — der Candy Bomber“, erzählt Thomas weiter.

Geschichte und digitale Gegenwart sind scheinbar auch untrennbar mit diesem besonderen Ort verflochten. Wo früher Menschen hinter Check-In Schaltern saßen, stehen heute vermehrt Self-Check-In Maschinen. Info-Points werden nicht mehr von menschlichem Personal betreut, sondern Kameras erkennen Ratsuchende, die dann irgendwie mittels Screens, Apps und Audio-Guides Antworten auf ihre Fragen erhalten — oder auch nicht.

„Ich glaube nicht, dass Maschinen diese Service-Arbeit der Menschen wirklich ersetzen können“,

denkt Klünemann laut nach, als sie einen Rundgang in der Abflughalle macht. Aber auch wenn sie als Pfarrerin vielleicht „einen besseren Draht nach oben“ hat, wie so mancher Nicht-Gläubige scherzen möge, Prophetin zur Zukunft der Digitalisierung ist auch sie nicht. Und eines ist definitiv sicher: Solange es hilfesuchende Menschen gibt, wird es auch Menschen brauchen, die ihnen direkt zur Seite stehen, eine warme Decke reichen und ihnen die Hand halten. Das können Computer allesamt nicht und das vermisst hier auch keiner.

Vernetzte Kommunikation über nationale Grenzen

„Wir haben hier ja auch Wohnungslose und Flüchtlinge, die über lange Zeit am Flughafen wohnen, weil sie schlichtweg nirgendwo anders hin können“, beschreibt Klünemann das Angebot der aufsuchenden Sozialarbeit, der auf der Empore des Terminals einige Büros hat. Direkt darunter ist die Diakonie beheimatet. Hier kümmern sich die Mitarbeiter in erster Linie um Obdachlose. Es herrsche ein enger Austausch unter allen beteiligten Stellen und Mitarbeitenden. „Wir möchten natürlich verhindern, dass wir hier parallel aneinander vorbei arbeiten“, erklärt sie. „Und außerdem wandelt sich hier alles so schnell, gerade jetzt in diesen Zeiten. Wo letzte Woche noch eine Corona-Teststation war, ist sie heute schon wieder umgezogen. Diese Informationen sind alle super wichtig, weil es eben immer schnell gehen muss, wenn man jemandem helfen will. Da muss man genau wissen, wo man die Leute hinschickt. Sonst verlieren sie im Zweifel wertvolle Minuten umsonst an Sicherheitskontrollen.

“Schneller Informationsaustausch und mobile Vernetzung sind daher zentral.“

Vernetzung sei auch international ein wichtiges Thema, so die Flughafenpfarrerin. Praktisch auf jedem Flughafen der Welt gebe es ähnliche Angebote wie die in Frankfurt. Und natürlich gebe es Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu erkennen. „In vielen anderen Ländern gibt es beispielsweise mehr ökumenische Zusammenarbeit“, erklärt Klünemann. „Da ist es ganz normal, dass auch Juden und Muslime gemeinsam die tägliche Arbeit mit den Menschen am Flughafen bewältigen.“ Auch gebe es organisatorisch Unterschiede, bereits innerhalb Deutschlands. Einige Flughäfen hätten alle seelsorgerischen Dienstleistungen, darunter auch die Sozialarbeit und die Diakonie, unter einem Dach vereint, quasi „Service aus einer Hand“, wenn man es wirtschaftlich betrachtet. Andere wie hier auch Frankfurt hielten an den unterschiedlichen Anlaufstellen fest, die aber eng kooperierten. Was denn besser sei? „Alles hat seine Vor- und Nachteile“, ist Klünemanns reflektierte Antwort. Letztlich merkt man ihr stets an, dass die Lösung der Probleme der Menschen an erster Stelle steht und nicht strategische Szenarien oder bürokratische Akte, die letztlich das Ergebnis nicht wesentlich verbessern oder verschlechtern würden. „Aber ein bisschen mehr interreligiöse Kooperation und gemeinsames Arbeiten wäre schon schön“, fügt sie hinzu. „Darum bemühe ich mich auch sehr und unser Ehrenamtsprogramm ist auch darauf angelegt, die Mitarbeitenden aller Konfessionen hier zu vernetzen.“

Infobox: International Association of Civil Aviation Chaplains (IACAC)

Die internationale Organisation für Geistliche in der Luftfahrt dient als zentrale Vernetzungsstelle für Flughafenpfarrer/innen. Ihr gehören Geistliche aller Glaubensrichtungen an, die weltweit an Flufhäfen in der Seelsorge tätig sind. Sie treffen sich u.a. zu jährlichen Konferenzen, um sich über neue Entwicklungen und Herausforderungen auszutauschen und Best Practices ihrer Arbeit zu teilen. Auch die Frankfurter Flughafenseelsorge ist Mitglied der Vereinigung. Mehr: About us — IACAC | International Association of Civil Aviation Chaplains

Die Idee zum Ehrenamt kam Klünemann kurz vor Corona im Jahr 2020. Nicht gerade das beste Timing, um Menschen für den unmittelbaren Dienst an Reisenden aus aller Welt zu begeistern und zu gewinnen. Klünemann haderte, doch schließlich tat sie das, was sie offensichtlich auch schon in ihren anderen Rollen als Pfarrerin in der Stadt und auf dem Land ausgezeichnet hat: „Wir haben einfach gemacht und angefangen“, lacht sie entschlossen. Seitdem habe es tatsächlich schon viele Interessenten und einen Zuwachs im Team gegeben. „Die Prozesse sind etwas langwierig“, erklärt sie. „Es müssen ja ein Ausweis beantragt und alle Sicherheitschecks durchlaufen werden, damit man sich hier als ehrenamtlicher Mitarbeiter frei am Flughafen auch im Transit aufhalten kann.“ Klünemann geht gemeinsam mit Thomas die Liste von Ehrenamtlichen durch, die an unterschiedlichen Tagen der Woche ihre individuellen Stärken einbringen, um daraus ein Potpourri an seelsorgerischer Hilfe zu formen. „Es ist natürlich jetzt in dieser Zeit nicht einfach, aber ich bin zuversichtlich, dass wir das vorantreiben können“, zeigt sich Klünemann optimistisch.

Zwischen Machertum und Krisenmodus

Ein bisschen erinnert die Atmosphäre hier an den amerikanischen Gründerspirit. Thomas mit seiner zupackenden Art und dem blauen T-Shirt mit dem Luftbrückenlogo, Klünemanns Management- und Unternehmergeist im Pfarramt — all das ist ganz so, wie man es häufig in Deutschland vermisst. Hier gibt es scheinbar für jedes Problem eine Lösung und die beginnt mit dem ersten Schritt und sei er noch so klein. Hat Klünemann das während ihrer Zeit in den USA gelernt? Vermisst sie die Staaten? „Ich habe dort sehr viel zum Thema praktische Seelsorgearbeit gelernt“, erinnert sie sich und man sieht, dass sie ihre Zeit in den USA geprägt haben muss. „Ich mochte Vermont sehr gern und auch die Arbeit in der Gemeinde der United Church of Christ hat sehr viel Freude bereitet.“ Erst mit der Zeit sei dann der Schwerpunkt auf Seelsorge entstanden, für den sie ebenfalls wunderbar ihr Studium der Psychologie einfließen lassen konnte. Das macht sie heute nicht nur zu einer progressiven und gestalterischen Pfarrerin am Flughafen, sondern auch zu einer gefragten Katastrophenmanagerin innerhalb der Kirche. „Es gibt auch Fälle bei Naturkatastrophen oder Verkehrsunglücken, bei denen ich um Hilfe von Kolleg/innen aus der Notfallseelsorge gebeten werde“, erzählt Klünemann über die spannende Vielfalt über den Flughafen hinaus. Mindestens sechs Tage die Woche ist sie hier erreichbar. Und natürlich begleiten einige der Schicksale sie auch nach der Arbeit.

„Wir haben auch Supervision“, erläutert sie auf Nachfrage. „Sonst gingen einige Sachen wirklich nicht, die man hier so sieht.“

Herzenswärme fürs Reisegepäck

Mittlerweile hat sich eine kleine Gruppe Reisender in der Kapelle angesammelt. Ein asiatisch aussehendes Paar zündet Kerzen an dem kleinen dafür vorgesehenen Ständer neben der Orgel an. Eine indische Nonne bekreuzigt sich schnell und huscht dann wieder Richtung Ausgang. Ein anderer fällt kurz auf die Knie und schickt ein kurzes Lächeln Richtung Altar. Nur wenige Meter weiter öffnen sie dann die Glastür und steigen die Treppen hinunter zum umtriebigen Gewusel in der Halle. Da riecht es nicht nach Weihrauch oder Duftkerzen, sondern nach Chicken Pastrami und Starbucks. Da gibt es Schwarzwälder Kuckucksuhren neben Hightech-Trolleys zu kaufen. Und direkt neben dem Zeitungsladen reihen sich Designermode-Labels aneinander, die so gar nicht an biblische Bescheidenheit erinnern. Vor dem Schaufenster läuft eine alte Frau mit eingefallenem Gesicht. Sie schiebt einen Trolley vor sich her mit zwei großen Tüten darauf. Das sind keine Tüten vom Designerlabel. Das ist ihr Hausrat. Sie wohnt hier. Sie schläft hier. Sie führt hier das, was man Leben nennt. Dieses pralle Leben ist es, das der Pfarrerin und ihrem Team täglich aufs Neue begegnet — ein Segen für jeden, der das Beten in vielen Sprachen beherrscht und den Menschen ein bisschen Herzenswärme ins Handgepäck gibt. Mehr braucht es nicht, um jede Katastrophe ein Stück weit erträglicher zu machen in einer Welt, die genau an solchen Orten lernt, in ihrer Vielfalt zusammen zu wachsen.

Mehr Informationen: Flughafen-Seelsorge — Zentrum Seelsorge und Beratung (seelsorge-flughafen-frankfurt.de)

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