Ein Brief An Digital Touristen Am Arbeitsplatz


Ein Brief an Digital-Touristen am Arbeitsplatz

“Liebe Arbeitnehmer/innen und Arbeitgeber/innen — bitte macht Euch auf die digitale Reise und INFORMIERT Euch!”

Photo by Marcus Urbenz on Unsplash

Ursprünglich erschienen auf LinkedIn am 25.02.2021

Diesen „Brief“ schreibe ich, weil ich ziemlich sauer bin. Sauer darüber, wie leicht sich Arbeitnehmer/innen und Arbeitgeber/innen gleichermaßen ihrem „Schicksal“ ergeben. Mit Schicksal meine ich die Tatsache, dass viele weiterhin unter hohem Zeitdruck, Doppelbelastungen und dem Zwang zur Präsenzarbeit leiden, obwohl es heute digitale Instrumente gibt, um genau das zu ändern. Gerade gestern Abend wurden in einer bekannten politischen Talkshow in der ARD („Anne Will“) Ergebnisse einer Umfrage von ZEIT ONLINE zum Thema „Arbeiten in der Corona-Krise“ vorgestellt. (Nein, ich wurde nicht vom Sender oder der Zeitung gekauft. Ich verlinke das, weil ich Euch schneller zu diesen Informationen bringen möchte. Damit weiß ich auch, dass Ihr jetzt vielleicht nicht weiterlest in diesem Brief, aber trotzdem etwas lernt…)

Was meine ich nun mit „dem Schicksal ergeben“? Dazu könnte ich seitenweise schreiben, ich beschränke mich hier nur auf das Wesentliche für beide Seiten — Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Liebe Arbeitgeber, gerade in kleinen und mittelständischen Unternehmen und Organisationen im öffentlichen Sektor (darunter auch und gerade Bildung): Die Digitalisierung ist dazu da, Euch effizienter zu machen, schon verstanden? Sie HILFT Euch, damit Ihr auch morgen noch auf dem Markt seid. Genau das setzt Ihr aufs Spiel, wenn Ihr weiterhin darauf pocht, dass Eure Leute nicht digital arbeiten dürfen und stattdessen acht Stunden „Lochen und Abheften“ machen. Es geht also um Wirtschaftlichkeit und dafür seid vor allen Dingen Ihr als Gründer und Führungskräfte verantwortlich.

Hier ein paar einfache Fragen, die Euch das (noch verschenkte) Potenzial verdeutlichen:

  • Wieviel Zeit verbringst Du täglich in Meetings, bei denen inhaltlich nichts rumkommt und Ihr euch lediglich erzählt, was wiederum in anderen Meetings erzählt wurde?
  • Wie viel Zeit verbringst Du am Tag mit der Suche nach wichtigen Informationen, die „irgendwo“ in Euren Ordnern (on-/offline) abgelegt wurden?
  • Wie viel Zeit verbringen Deine Mitarbeiter mit der Beantwortung von Mails?

Und nun rechne mal Dein eigenes Gehalt oder das Deiner Mitarbeiter in Stunden um und multipliziere es mit der Anzahl an oben überschlagenen Stunden. Na??? Genau! Und für all diese und weitere Effizienzfresser, die Euch vom Wesentlichen abhalten, gibt es Tools zur Digitalisierung des Büros. Hier ein kurzer Artikel zum Thema „Wir verbringen nur ein Viertel der Arbeitszeit mit richtiger Arbeit“.

Damit sind wir auch schon bei der Arbeitnehmerseite: Ja, es stimmt, viele von Euch haben Angst, den Mund aufzumachen und darauf zu pochen, dass Euer Chef „ja“ zu neuen Technologien sagt, die Euch schneller und damit effizienter machen würden. Aber eines könnt Ihr sehr wohl tun: Artikel wie den oben von mir genannten könnt Ihr ganz leicht selbst aus dem Netz fischen. Es braucht dazu nichts als einige Schlagworte in die Suchmaschine mit den sechs Buchstaben einzugeben. Dann gelangt Ihr schnell auch an Quellen, die Fakten zum Wert der Digitalisierung aufzeigen und nichts mit Marketing von Unternehmen zu tun haben. Diese Informationen brauchen Eure Chefs, um wirklich überzeugt zu werden.

Was will ich mit alledem sagen? Der digitale Wandel beginnt in den Köpfen. Und wenn sich im Kopf etwas ändern soll, dann braucht das immer genau eines: INFORMATION. Es gibt heutzutage für die allermeisten Menschen auf der Welt, die ein Minimum an wirtschaftlichem Standard haben (mehr als 4,5 Mrd. weltweit), kein Argument, warum man nicht in der Lage ist, fünf Minuten im Internet zu verbringen, um sich über den Wert und die konkreten praktischen Möglichkeiten digitaler Technologien zu informieren. Ihr könnt heute zu jedem Suchbegriff, und sei es in einer noch so kleinen Marktnische oder Branche, Informationen finden. Das gilt auch und besonders für die Frauen unter Euch — darunter Unternehmerinnen — die weiterhin Gefahr laufen, von der Digitalisierung abgehängt zu werden.

Es geht bei alledem nicht um „Rocket Science“ — Ihr müsst nicht selbst zum Experten werden oder Coden lernen. Doch Ihr seid eingeladen, Euch überhaupt erst einmal auf die Reise zu machen, diese neue Welt kennen zu lernen. Das tut nicht weh und kostet 0 Euro, sofern man von den Kosten fürs Internet absieht. Seht es doch genauso wie die Planung eines Sommerurlaubs. Schon beim Suchen und Buchen machen Euch die Bilder von Strand und Sonne nicht nur Lust auf die Reise — Ihr lernt ganz nebenbei auch bereits Neues über Euer Traumurlaubsziel; die Menschen dort, das Klima, die Sprache, die Kultur. Das macht Spaß und bildet.

Das Beispiel der Reise ist auch deshalb passend, weil es zeigt, dass es auch bei der Digitalisierung nie um Universallösungen geht. Ein Urlaub am Strand mit einem Vier-Sterne-Hotel und All Inclusive kann für Dich/Euch genau das Richtige sein. Für Deinen Kollegen, der Extremsportler ist und gerade seinen letzten Urlaub damit verbracht hat, das Atlas-Gebirge zu erkraxeln, wären 14 Tage am Strand herumlümmeln der absolute Horror. Was will ich damit sagen? Ihr selbst kennt Eure dringendsten Bedarfe aus dem Arbeitsalltag am besten. Ihr wisst sehr genau, wo es klemmt und nervt und sogar Konflikte entstehen. Ihr müsst zum Beispiel noch Anwesenheitlisten in einer Excel-Tabelle führen? Oder Ihr habt kein automatisches System, das Newsletter an Eure Kunden verschickt? Du nimmst es lieber einfach so hin, dass Du mit diesen und anderen längst digitalisierbaren Tätigkeiten sogar Überstunden schiebst, anstatt mit Deinen Kindern Hausaufgaben zu machen?

Versteht mich nicht falsch. Ich ergreife hier weder Partei für die eine oder andere Seite. Man kann von keinem Arbeitgeber verlangen, dass er neben der Sicherung der Finanzierung in Corona-Zeiten noch zusätzliche Ressourcen für die neuste Technologie locker macht. Genauso weiß ich, dass auch Ihr Arbeitnehmer alle gerade viele andere Dinge im Kopf habt, als die Digitalisierung Eurer Arbeitsprozesse. Doch ich möchte Euch dazu ermutigen, Euch endlich und möglichst schnell über die vielen Möglichkeiten zu informieren, welche die Technologie konkret für Euch bereithält, damit Euer Leben und Eure Arbeit einfacher wird. Dafür gibt es auch und gerade in Corona-Zeiten keine Ausreden, in denen die Informationsangebote seitens der Öffentlich-Rechtlichen Medien, aber auch der Bundes- und Landesregierungen, extrem erweitert wurden. Es geht bei alledem ums Überleben — und zwar nicht (nur) gesundheitlich, auch wirtschaftlich.

Das alles hat übrigens sehr viel mit den momentan so viel diskutierten Grundrechten zu tun. Damit meine ich noch nicht einmal (nur) Artikel 5 des Grundgesetzes (Presse- und Meinungsfreiheit). Ich setze noch viel grundlegender bei Artikel 1 an: „Die Würde des Menschen ist unantastbar“. Wenn Ihr das Gefühl habt, dass andere (ob nun Arbeitgeber, der „Staat“ oder wer auch immer) Eure Würde und Freiheit einschränken, dann nehmt doch an anderer Stelle bitte ein Recht wahr, das Euch heutzutage in einer (Medien-)Demokratie kein Mensch und kein System mehr nehmen kann: Das Recht auf Zugang zu Informationen und Eure Selbstbestimmung und –Verantwortung, Euch zu bilden. Schon mal was gehört vom Begriff „Lebenslanges Lernen“? Ja, jetzt genau ist es an der Zeit, das mit Leben zu füllen.

Wikimedia Commons

„Ach ja, und wo finde ich all die Informationen zur Digitalisierung der Arbeitswelt nun genau?“ Ist das jetzt Deine Frage? Du möchtest von mir nun eine Linkliste haben mit fünf mundgerecht aufbereiteten Links, die Dir das Non-Plus-Ultra Wissen spendieren, damit Du Deinen Chef, Deine Mitarbeiter und Kollegen von praktischen Apps und Tools für die Digitalisierung Eures Büros überzeugen kannst? Wenn Du das jetzt willst, dann bitte noch mal oben anfangen mit Lesen. Digitalisierung beginnt mit Medienkompetenz. Soll heißen: www.google.de, www.ecosia.org und dergleichen sind ab sofort Deine persönlichen Assistenten und gleichzeitig digitale Reisebüros, die Dir die Abenteuerreise in die Zukunft eröffnen und dabei helfen, dass Euer Betrieb kommendes Jahr auch noch existiert.

Herzliche Grüße,

Eure Yodi (alias Silke)

– digitale Reiseleitung und Reporterin zwischen den Welten

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